Begriffe der Psychotherapie-Dokumentation

49 kuratierte Einträge zu Antragswesen, Befunden, Verfahren, Recht, Datenschutz und KI — in der Praxis täglich gebraucht, im Internet selten sauber definiert.

49 von 49 Einträgen

Antrag, Bericht & Pflichtdoku

PTV3 — Bericht an den Gutachter

auch: Bericht an den Gutachter · PTV3-Bericht · Gutachterbericht

Pflichtformular, mit dem Psychotherapeut:innen die geplante Behandlung dem Gutachter der Kasse begründen: Spontanangaben, Lebensgeschichte, Befund, Diagnose, Behandlungsplan, Prognose. Grundlage für die Bewilligung von Kurz- oder Langzeittherapie.

PTV12 — Konsiliarbericht

auch: Konsiliarbericht · PTV12

Ärztlicher Bericht, der vor Therapiebeginn somatische Ursachen ausschließt. Wird von Hausärztin oder Facharzt erstellt und liegt dem PTV3-Bericht bei.

PTV2 — Antrag des Versicherten auf Psychotherapie

auch: PTV2 · Antrag des Versicherten

Formaler Antrag der Patient:in an die Krankenkasse mit Stammdaten, Verfahren und Sitzungsumfang. Wird zusammen mit PTV3-Bericht und Konsiliarbericht eingereicht.

Probatorik / Probatorische Sitzungen

auch: Probatorische Sitzungen · Probesitzungen

Bis zu vier Sitzungen ohne Antragstellung, die Diagnostik, Indikation und Therapiemotivation klären. Pflicht vor Beantragung einer Richtlinientherapie.

Sitzungsprotokoll

auch: Sitzungsdokumentation · Therapieprotokoll

Pflichtdokumentation jeder Sitzung nach § 630f BGB: Datum, Befund, Interventionen, Risikobewertung, weitere Planung. Im Streitfall juristisch belastbares Dokument.

Verlaufsdokumentation

auch: Verlaufsbericht · Therapieverlauf

Zusammenfassung des Therapieverlaufs über mehrere Sitzungen – Symptomreduktion, Beziehungsdynamik, Zielannäherung. Pflicht bei Fortführungsanträgen und Abschlussbericht.

Abschlussbericht

auch: Therapie-Abschlussbericht

Bericht am Therapieende an die Kasse: Ziele, Ergebnisse, Interventionen, Restsymptomatik, Nachsorge-Empfehlung.

Fortführungsantrag

auch: Verlängerungsantrag

Antrag auf Verlängerung einer laufenden Therapie über das bewilligte Kontingent hinaus. Erfordert einen neuen Bericht mit aktualisiertem Behandlungsplan.

Umwandlungsantrag

auch: Umwandlung Kurzzeit Langzeit

Antrag auf Umwandlung einer bewilligten Kurzzeittherapie in eine Langzeittherapie, mit aktualisierter Diagnose und Prognose.

Sozialbericht

auch: Stellungnahme

Stellungnahme an Sozialgerichte, Renten- oder Arbeitsagenturen zu Diagnose, Krankheitswert und Leistungsfähigkeit. Erfordert hohe juristische Präzision.

Befund & Diagnostik

AMDP-Befund

auch: Psychischer Befund nach AMDP

Standardisiertes System zur Erhebung des psychopathologischen Befunds: 100 Items in 12 Bereichen, u. a. Denken, Wahrnehmung, Affekt, Antrieb.

ICD-10-GM

auch: ICD-10 · International Classification of Diseases

Pflichtklassifikation für Diagnosen in Deutschland. Psychische Störungen liegen in Kapitel V (F00–F99).

ICD-11

auch: ICD-11 Mental and Behavioral Disorders

WHO-Klassifikation seit 2022 mit veränderter Struktur psychischer Störungen. In Deutschland noch nicht abrechnungsrelevant.

DSM-5-TR

auch: Diagnostic and Statistical Manual

US-amerikanisches Diagnosesystem (2022). Im deutschsprachigen Raum ergänzend zur ICD-10-GM, vor allem in Forschung und Differenzialdiagnostik.

Differenzialdiagnostik

auch: Differentialdiagnose

Abgrenzung der Hauptdiagnose von ähnlich präsentierenden Störungen, z. B. Depression vs. Anpassungsstörung vs. bipolare Depression.

Biografische Anamnese

auch: Lebensgeschichte · Lebensgeschichtliche Anamnese

Erhebung der Lebensgeschichte – Familie, Schule, Beruf, kritische Lebensereignisse. Grundlage für das Verständnis der Störungsentstehung.

Psychischer Befund

auch: Befund

Querschnittsbefund des aktuellen psychischen Zustands bei der Sitzung, u. a. Denken, Affekt, Antrieb, Suizidalität. Pflichtbestandteil im PTV3-Bericht.

Somatischer Befund

auch: Körperlicher Befund

Zusammenfassung relevanter körperlicher Befunde für die Indikation der Psychotherapie, meist aus dem Konsiliarbericht übernommen.

Verfahren & Fallkonzept

Verhaltenstherapie (VT)

auch: VT · Kognitive Verhaltenstherapie · KVT

Richtlinienverfahren mit Verhaltensanalyse, kognitiver Restrukturierung und Expositionsverfahren als Kernwerkzeugen.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

auch: TP · Tiefenpsychologie

Richtlinienverfahren mit psychodynamischer Grundorientierung, fokussiert auf aktuelle Konflikte und Beziehungsmuster; meist 24–60 Sitzungen.

Analytische Psychotherapie (AP)

auch: AP · Psychoanalyse

Hochfrequentes Richtlinienverfahren auf psychoanalytischer Basis, das mit Übertragung, Gegenübertragung und freier Assoziation arbeitet.

Systemische Therapie (ST)

auch: ST · Systemische Familientherapie

Seit 2020 zugelassenes Richtlinienverfahren, das Störungen im Kontext sozialer Beziehungen betrachtet – u. a. mit zirkulären Fragen und Reframing.

SORK-Schema / Verhaltensanalyse

auch: Verhaltensanalyse · SORKC

Modell der funktionalen Verhaltensanalyse: Stimulus, Organismus, Reaktion, Konsequenz. Kernwerkzeug der VT-Fallkonzeption.

Psychodynamische Hypothese

auch: Psychodynamische Fallkonzeption · OPD

Hypothese über unbewusste Konflikte und Strukturniveau, operationalisiert z. B. über die OPD. Pflicht im PTV3-Bericht bei TP und AP.

Systemische Hypothese

auch: Systemische Fallkonzeption

Hypothese über die Funktion eines Symptoms im Beziehungssystem. Pflicht im PTV3-Bericht bei systemischer Therapie.

Fallkonzeption

auch: Case Conceptualization · Fallformulierung

Schriftliche Konzeptualisierung eines Falls: Entstehung, Aufrechterhaltung, Ressourcen, Therapieziele – verfahrensspezifisch unterschiedlich ausgeprägt.

Klinische Diagnosen (Auswahl)

F32 — Depressive Episode

auch: Major Depression · F32.0 · F32.1 · F32.2

Unipolare depressive Episode mit gedrückter Stimmung, Interessenverlust und Antriebsminderung über mindestens zwei Wochen. Schweregrade: leicht (F32.0), mittel (F32.1), schwer (F32.2).

F33 — Rezidivierende depressive Störung

auch: Rezidivierende Depression

Wiederholte depressive Episoden ohne manische Phasen in der Anamnese, mit höherem Chronifizierungsrisiko.

F41 — Andere Angststörungen

auch: Generalisierte Angststörung · Panikstörung · F41.0 · F41.1

Kategorie nicht-phobischer Angststörungen, u. a. Panikstörung (F41.0) und Generalisierte Angststörung (F41.1).

F43 — Reaktionen auf schwere Belastungen

auch: Anpassungsstörung · PTBS · Posttraumatische Belastungsstörung

Störungen mit identifizierbarem Stressor: akute Belastungsreaktion (F43.0), PTBS (F43.1), Anpassungsstörung (F43.2).

F60 — Persönlichkeitsstörungen

auch: Borderline · Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Kategorie spezifischer Persönlichkeitsstörungen, u. a. emotional instabil mit Borderline-Typus (F60.3) und ängstlich-vermeidend (F60.6).

F90 — Hyperkinetische Störungen (ADHS)

auch: ADHS · ADS · Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung

Störung mit den Kernsymptomen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, klinisch als ADHS bezeichnet und auch im Erwachsenenalter diagnostizierbar.

Recht & Berufsordnung

§ 630f BGB — Dokumentationspflicht

auch: Dokumentationspflicht · 630f BGB

Pflicht, eine Patientenakte mit allen wesentlichen Behandlungsmaßnahmen zu führen. Aufbewahrungsfrist: 10 Jahre.

§ 203 StGB — Schweigepflicht

auch: Schweigepflicht · Berufsgeheimnis

Strafbewehrte Schweigepflicht für Ärzte und Psychotherapeut:innen. Bei KI-Tools entscheidend: ob Eingaben einen „unbefugten Dritten“ erreichen – durch Pseudonymisierung vermeidbar.

EBM 35.2.1

auch: EBM Psychotherapie · Einheitlicher Bewertungsmaßstab

EBM-Abschnitt für die antragspflichtige Richtlinientherapie, inklusive Pauschalen für Sitzung, Bericht an den Gutachter und probatorische Sitzungen.

Approbation

auch: Approbierte Psychotherapeut:in

Staatliche Berufszulassung, Voraussetzung für Eintragung ins Arztregister und Kassenabrechnung. KI-Tools ersetzen die Approbation nicht.

AVV — Auftragsverarbeitungsvertrag

auch: Auftragsverarbeitungsvertrag · Art. 28 DSGVO

Vertrag nach Art. 28 DSGVO zwischen Praxis und Auftragsverarbeiter, Pflicht bei jedem cloudbasierten Tool im Gesundheitswesen.

Richtlinienpsychotherapie

auch: Psychotherapie-Richtlinie

Vom G-BA anerkannte Verfahren als Kassenleistung: Verhaltenstherapie, Tiefenpsychologie, Analytische Psychotherapie, Systemische Therapie.

Datenschutz & Compliance

DSGVO Art. 9 — Gesundheitsdaten

auch: Besondere Kategorien personenbezogener Daten · Art. 9 DSGVO

Gesundheitsdaten gelten als besondere Kategorie personenbezogener Daten. Verarbeitung grundsätzlich verboten, außer bei den in Art. 9 Abs. 2 genannten Ausnahmen.

Pseudonymisierung

auch: Pseudonymisierte Daten

Ersetzen identifizierender Merkmale durch Pseudonyme; Re-Identifikation bleibt mit Schlüssel möglich. Zentrales Schutzmittel bei KI-Anwendungen im Gesundheitswesen.

NAD-Verfahren

auch: Named Entity Detection · Named Entity Recognition (NER)

Automatische Erkennung benannter Entitäten (Namen, Adressen, Geburtsdaten) in Texten. Bei duktus Grundlage der Pseudonymisierung vor regulären externen Modellaufrufen.

BSI C5-Kriterienkatalog

auch: C5 · Cloud Computing Compliance Controls Catalog

Prüfkatalog des BSI für Cloud-Anbieter, im Gesundheitswesen relevanter Mindeststandard (u. a. § 393 SGB V). AWS Frankfurt erfüllt C5 auf Infrastruktur-Ebene.

ISO/IEC 27001

auch: ISO 27001 · Information Security Management System

Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme, erwartete Mindestzertifizierung des Hosting-Anbieters. AWS Frankfurt ist ISO-27001-zertifiziert.

KI & Technologie

LLM — Large Language Model

auch: Sprachmodell · Large Language Model

Sprachmodell wie Claude, GPT-4 oder Gemini. duktus nutzt Claude (Anthropic) über AWS Bedrock in Frankfurt, ohne direkte API-Anbindung an US-Anbieter.

EU AI Act

auch: KI-Verordnung · AI Act

EU-Verordnung zur Regulierung von KI (ab 2025 in Stufen geltend). KI-Systeme in der Gesundheitsversorgung gelten meist als Hochrisiko-Systeme mit Transparenz- und Dokumentationspflichten.

AWS Bedrock

auch: Amazon Bedrock

Managed Service von AWS, über den Sprachmodelle in einer gewählten Region (z. B. Frankfurt) angesprochen werden. Die Verarbeitung findet damit an einem Standort in der EU statt; da AWS ein US-Mutterkonzern ist, bleibt ein behördlicher Zugriff nach US-Recht rechtlich diskutiert.

Anthropic Claude

auch: Claude · Claude Sonnet · Claude Opus

Sprachmodell-Familie von Anthropic. duktus verwendet Claude über AWS Bedrock Frankfurt, ohne Drittlandtransfer.

Speech-to-Text (STT) / ASR

auch: Automatic Speech Recognition · ASR · Spracherkennung

Automatische Umwandlung von Sprache in Text. duktus nutzt Gladia (EU-Hosting) mit Sprechertrennung; Audio wird nicht gespeichert.

Anonymisierung vs. Pseudonymisierung

auch: Anonymisierte Daten

Anonymisierung macht Re-Identifikation unmöglich und verlässt den DSGVO-Anwendungsbereich; Pseudonymisierung bleibt personenbezogen. Im Praxisalltag ist meist nur Pseudonymisierung erreichbar.

Begriff in der Praxis anwenden

Sehen Sie, wie duktus Anträge, Berichte und Verlaufsdokumentation aus diesen Begriffen automatisch erstellt.

Fragen zu einem Begriff?

Fehlt ein Begriff oder ist eine Definition unklar? Wir ergänzen das Glossar laufend.